Gripability – handfeste Hilfsmittel-Lösungen

Neue Wege im Bereich der Hilfsmittel für Menschen mit eingeschränkter oder fehlender Handfunktion geht ein junges hessisches Unternehmen

"Die Nähe zum Problem ist wichtig, um gute Lösungen zu finden", so der Unternehmensgründer und Tetraplegiker, Patrick Oeffner. Selbst betroffen (Unfall im 18. Lebensjahr) begann der 37-Jährige vor drei Jahren, innovative Greifhilfen zu entwickeln. "Seinerzeit war auf dem Hilfsmittelmarkt für einen Fall wie meinen kein geeignetes Produkt zu finden. Mit meiner Funktionshand kann ich einfach nicht viel machen – zum Halten einer Tasse ist das Handgelenk nicht stabil genug und der Druck zwischen Daumen und Zeigefinger reicht kaum, um ein Blatt Papier festzuhalten. Und ohne Greiffunktion kann man mit der vorhandenen Motorik in den Armen wenig anfangen."

Eine Zange, die fest zupackt... an der Hand befestigt. Mit dieser Vision fing alles an.

Bereits der erste Prototyp, der Ende 2005 in Fertigung ging, zeigte, dass viele Menschen von der Verwendung solcher technischer Greifhilfen profitieren können. Mit dieser Perspektive gründete der aktive Querschnittgelähmte im Februar 2006 die Gripability GmbH. Schon im Mai desselben Jahres begann man mit einer Testphase in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Frankfurt am Main und weitete diese im Laufe der Zeit auf die Querschnittzentren von Duisburg, Greifswald, Hamburg, Murnau und Nottwil in der Schweiz aus. Mitte Juli 2007 auf der Hausmesse der Manfred-Sauer-Stiftung wurde dann das fertige Produkt, Gripability e3, vorgestellt. Im Oktober 2007, auf der RehaCare in Düsseldorf, präsentierte sich das innovative Unternehmen zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit und präsentierte mit der Gripability Xhand eine weitere Neuentwicklung.

Kleine, druckluftbetriebene Industriegreifer, extrem leicht und trotzdem kraftvoll, bilden die Basis für die CE-zertifizierten Gripability Hilfsmittel. Adaptiert an der Hand oder einem anderen Körperteil werden diese Komponenten zu einem brauchbaren Werkzeug im Umgang mit Alltagsgegenständen.

Funktion und Einsatzmöglichkeiten

Auf die Frage nach einem Anwendungsbeispiel für Gripability e3 zieht der Gripability Chef einen Kugelschreiber aus der Seitentasche seines Elektrorollstuhls. Das Schreibwerkzeug klemmt fest zwischen den von ihm eigens für Gripability e3 entwickelten Greiferbacken. Zur Demonstration schreibt er einige Wörter auf einen Papierblock. Anschließend führt er das an seiner Hand adaptierte Greifwerkzeug zur Kaffeetasse. Vorsichtig platziert er die Greiffinger an dem Henkel und wie von Zauberhand schließt sich die Zange. Er trinkt einen Schluck, stellt die Tasse zurück auf den Tisch und nimmt die Kuchengabel.

Wie das funktioniert? In einem circa vier kg schweren Rucksack, der an der Rückenlehne seines Rollstuhls befestigt ist, befinden sich ein Druckluftspeicher und eine elektropneumatische Steuerungskomponente. Ein nur zwei mm dicker Schlauch führt zu dem Greifer an seiner Hand und ein Kabel zu einem Bedienelement an der Armlehne seines Rollstuhls. „Die Bedienung von Gripability e3 ist kinderleicht und kann individuell angepasst werden. Wenn der Greifer in Position ist, um etwas zu fassen, wird ein Sensor betätigt. Ich mache das mit meiner freien Hand; Blasetaster und andere Schaltsysteme sind natürlich auch integrierbar.“

Bei der Gripability Xhand werden die Greifer nicht am Körper adaptiert, sondern an einem verstellbaren Gelenkarm befestigt. Die Xhand substituiert eine Haltehand, z.B. als Arbeitshilfe für Einhänder.

Elke Arnold, Mechanikerin und Fachkraft für Arbeit und Berufsförderung in WfbM, eine Gruppenleiterin im Berufsbildungsbereich der Theo-Lorch-Werkstätten in Ludwigsburg, setzt das Gripability Xhand System seit Januar 2007 für Verpackungsarbeiten ein. „Gripability entwickelte für uns ein Greifsystem, das genau für die Bedürfnisse unserer Klienten und die Anforderungen der Arbeitsprozesse konfiguriert wurde.“ „Wir hatten in der Hilfsmitteldatenbank REHADAT nach einer Arbeitshilfe für meinen Mitarbeiter Dietmar K. recherchiert, der nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt ist. Dietmar K. arbeitet sehr engagiert, Verpackungsarbeiten waren für ihn jedoch immer sehr frustrierend, da er mit einer Hand nur mühselig vorankam. Ich schlug ihm vor, bei Gripability anzufragen, ob man ein elektropneumatisches Greifsystem für seine Bedürfnisse anpassen könne. In der Folgezeit war er regelmäßig in Kontakt mit P. Oeffner, der sich seine Probleme detailliert schildern ließ und sich in die Thematik einarbeitete. Einige Wochen später stellte die Gripability GmbH ihren Xhand-Prototypen in unserem Hause vor. Alle Anwesenden waren begeistert und so richtete das Gripability Team sofort einen Arbeitsplatz in meiner Arbeitsgruppe ein. Das war im Januar 2007, seither haben Herr K. und auch andere Probanden verschiedene Verpackungs- und Kuvertierungsarbeiten erfolgreich erledigt."

Dietmar K. sitzt in seinem Elektrorollstuhl vor dem Arbeitstisch mit der Xhand. Mit der rechten Hand nimmt er einen Polybeutel aus der Ablage und hält ihn geöffnet zwischen die Finger eines Greifers. Mit seinem rechten Fuß betätigt er einen Fußtaster. Der Greifer schließt sich und hält den Beutel fest. Mit der wieder freigewordenen rechten Hand greift Herr K. in eine zweite Ablage, wo die Faltblätter vorgehalten werden, von welchen er sich eines herausnimmt und in den im Greifer fixierten Polybeutel schiebt. Jetzt fasst er den gefüllten Beutel, öffnet mit dem Fuß den Greifer und legt das fertige Produkt in die dafür vorgesehene Ablage. „Ohne die Gripability Xhand hatte mein rechtes Bein während der Arbeit keine Aufgabe. Jetzt ist es den ganzen Tag in Aktion und ich arbeite genauso schnell wie meine Kollegen mit zwei Händen.“

Werkstättenmesse in Nürnberg

Ausschnitt Moderationstext:
"... Dieser Stand war seit der Messeeröffnung heute Morgen ununterbrochen belagert. Kein Wunder, schließlich zeigt er moderne Greifhilfen auf die viele Behinderte angewiesen sind ..."


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