Gripability - die Innovation unter den Greifhilfen
Auf seine mittlerweile zum Patent angemeldete Entwicklung machte der Vogelsberger Tetraplegiker
Patrick Oeffner die kobinet-Redaktion aufmerksam. "Die Not macht erfinderisch", meint Oeffner,
dessen hohe Querschnittslähmung zwangsläufig mit dem Verlust der Fingerfunktionen verbunden ist.
Der Künstler suchte nach einer Möglichkeit, die Werkzeuge, welche er für seine Arbeit benötigt,
selbstständig wechseln zu können. Da es auf dem Hilfsmittelmarkt ein derartiges Produkt nicht gab, erfand
der 36-jährige kurzerhand seine eigene, automatische Greifhilfe. "Bereits der erste Prototyp zeigte, welche
bisher nicht da gewesenen Möglichkeiten die Anwendung solch einer technischen Hilfe für Menschen, die Probleme
mit dem Greifen und Halten haben, eröffnet", berichtet Oeffner. Dem völlig neuartigen Handling System
gab er den Namen "Gripability".
In der berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Frankfurt am Main wird
Gripability derzeit in der Rehabilitationspraxis der Ergotherapie getestet. Auch in den exemplarischen Werkstätten
der Manfred Sauer Stiftung wird Gripability in einigen Wochen zum Einsatz kommen. elba
Interessierte können sich Gripability im Internet anschauen. Dort gibt es neben ausführlichen Texten
eine umfangreiche Bildergalerie und einen Demofilm.
Gripability: das Leben im Griff - dank Handhabungstechnik
Wer bislang glaubte, dass pneumatische Greifzangen nur für den produktionsorientierten Materialfluss
zu gebrauchen seien, muss jetzt umdenken: Patrick Oeffner aus dem Vogelsberg hat ein Greifsystem für Behinderte
entwickelt, das vielen betroffenen Menschen das Leben enorm erleichtern kann. Großzügig unterstützt
wurde und wird er dabei von dem bayerischen Unternehmen FIPA, einem anerkannten Spezialisten für industrielle
Vakuum- und Greifer-Systeme.
Nach einem Unfall vom Hals an gelähmt, suchte der 35-jährige Künstler nach einer Lösung,
mit der er seinen Alltag besser bewältigen kann. Über das Internet kam er in Kontakt mit den
Handhabungstechnik-Spezialisten von FIPA in Ismaning bei München.
Hier fand er nicht nur die brandneue, gerade einmal 15 g leichte Mini-Greifzange, sondern sofort auch sehr
aufgeschlossene Gesprächspartner, die ihm spontan mit Beratung und Produkten halfen, seine Idee eines Greifsystems
für behinderte Menschen schnell in die Tat umzusetzen. Bereits nach wenigen Wochen hatte Patrick Oeffner mit
Unterstützung von FIPA den Prototypen seines Systems fertig gestellt, dass bereits zum Patent angemeldet ist.
Die Steuerung des pneumatischen Greifers kann dabei ganz individuell den Möglichkeiten des Anwenders angepasst
werden - per Handschalter (wie bei Patrick Oeffner selbst), per Mund- oder auch Sprachsteuerung.
Schreibgeräte, Trinkgefäße, Besteck und vieles mehr - die FIPA-Greifer mit wahlweise 15 oder 50 g
packen's sicher und gefühlvoll: schon die kleine Zange bringt es bei einer Öffnung von 10 mm auf erstaunliche
15 N Haltekraft.
"Bei FIPA habe ich Gesprächspartner gefunden, die mir mit Interesse und Ideenreichtum zur Seite stehen
und mir bereits ihre Unterstützung bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Systems zugesagt haben",
freut sich der 35-jährige Tetraplegiker (so die medizinische Bezeichnung für eine Lähmung unterhalb der
Halswirbel). Auf seiner Homepage www.gripability.de können sich Interessierte einen guten Eindruck über
Entwicklungsstand und Möglichkeiten seines Systems verschaffen und bei Bedarf ihre eigenen Gripability-Lösungen ordern.
"Für uns ist es wichtig, immer über den Tellerrand industrieller Standard-Anwendungen hinaus zu
schauen" beschreibt FIPA-Geschäftsführer Rainer Mehrer die Innovationsphilosophie seines Unternehmens,
"und wenn wir dabei zusätzlich die Möglichkeit haben, Menschen zu helfen, erfüllt uns das
natürlich mit ganz besonderem Stolz."
Gripability ist Assistive Technology!
Was ist Assistive Technology?
Der Begriff Assistive Technology beschreibt ein Produkt, einen Ausrüstungsgegenstand oder ein Hilfsmittel,
welches, egal ob von der Stange gekauft, speziell angepasst oder extra gefertigt, dazu verwendet werden kann,
die Selbstständigkeit und die Lebensqualität behinderter Menschen zu verbessern oder zu erhalten.
Der Markt von Hilfsmitteln, welche speziell für einen bestimmten Anwendungsbereich entwickelt und produziert werden,
wird immer größer. Wenn ein Hilfsmittel technisch besonders anspruchsvoll ist, bedeutet dies leider allzu oft,
dass es wegen der geringen Stückzahlen, die aufgrund der relativ niedrigen Nachfrage, davon gebaut werden,
für den Verbraucher, den behinderten Menschen, sehr teuer wird.
Anders verhält es sich bei Produkten bzw. Hilfsmitteln, die sowohl für behinderte Menschen, als auch für
nicht-behinderte Menschen einen Nutzen haben. Hier hat die hohe Nachfrage zur Folge, dass diese Produkte zu ganz
anderen Preisen produziert und verkauft werden können. Ein weiterer unschätzbarer Vorteil dieser Hilfsmittel
ist, dass sie schnell und stetig weiterentwickelt werden.
So können behinderte Menschen in vielen Bereichen von dem rasanten Fortschritt der Technologie profitieren.
In Zukunft sollte Entwicklern auf der ganzen Welt bewusster gemacht werden, dass sie bei der Neu- oder Weiterentwicklung
ihrer Produkte die Möglichkeiten der Nutzung für Menschen mit Behinderungen berücksichtigen.
Glücklicherweise gibt es zahlreiche Beispiele bei denen dieser Prozess bereits in vollem Gange ist.
Spracherkennung - die Möglichkeiten der Bedienung verschiedenster Geräte durch Sprache, die Eingabe
von Text mittels natürlicher Spracherkennung, all dies entwickelt sich derzeit in unglaublicher Geschwindigkeit
und kommt insbesondere Menschen mit schwersten Behinderungen zu Gute.
Computertechnologie - auch von dieser Entwicklung profitieren gerade behinderte Menschen in hohem Maße. Die
Möglichkeiten alltägliches, selbstständig und selbstbestimmt zu verrichten, verbessern sich hierdurch
ständig. Dies gilt sowohl für das Gebiet der Software als auch für die sich ständig weiter entwickelnde Hardware.
Elektronik - hier gibt es unzählige Produkte, welche behinderten Menschen den Alltag erleichtern oder es ihnen
ermöglichen selbstständiger zu leben und zu handeln.
Fahrzeugtechnik - auch hier wären außer Regensensoren und Servolenkung viele Beispiele zu nennen, die nicht
nur dem nicht-behinderten Verbraucher sondern auch Menschen mit Behinderungen von großem Vorteil sind.
Bei der Entwicklung von Gripability wurde ganz besonders darauf geachtet, Komponenten zu verwenden, welche in ihren
ursprünglichen Anwendungsbereichen, in der Industrie, in großer Stückzahl gebraucht werden. Die hohe Nützlichkeit
der Bauteile im industriellen Einsatz garantiert außerdem beste Qualität sowie eine schnelle und stetige Weiterentwicklung.
Gripability ist ein Hilfsmittel, welches beispielhaft für den Begriff Assistive Technology steht.